Geschichte der Stadt Liezen
Bild: Liezen - Tusche auf Papier - Erhard Gaube, 1986
Das Ennstal hatte zu Beginn der Eiszeit fast schon jene Form, wie wir es heute kennen. Dann kam es durch die Wirkung der Gletscher, die unsere Alpentäler deckten, noch zu wesentlichen Veränderungen. Die Talsohle war vor der Eiszeit weit höher gelegen als heute. Für die spätere Besiedlung unserer Heimat war die Eiszeit deshalb von Bedeutung, da sie eine Art Vorarbeit für die Rodung leistete. Die ersten Siedlungen finden wir ja dann auf Böden, die die Eiszeit geformt hat. Nach der Eiszeit bedeckte ein langer See unser Tal, der durch die Schotterzufuhr aus den Seitentälern verflachte und schließlich seinen Abfluß durch das Gesäuse fand. Da und dort blieben flache Seen zurück, die später zu den großen Moorgebieten wurden, die wir heute noch im Ennsboden vorfinden. Aus der Steinzeit in unserem Tal wissen wir wenig. Funde, wie Steinbeile, sind sehr spärlich. Eine Besiedlung war auch fast unmöglich. Als die ersten Bewohner unserer Heimat kennen wir die Illyrer. Vermutlich stehen auch die frühesten Felszeichnungen in der „Höll“, in der Nähe des Linzerhauses auf der Wurzeralm, damit in Verbindung. Auf 13 verschiedenen Felsblöcken sind Zeichnungen von verschiedener Art und Darstellung zu sehen, die aus der Zeit von 800 v. Chr. bis wahrscheinlich 800 n. Chr. stammen. Meist sind es Jagd- und Tierdarstellungen, Ornamente, Musikspiele und Christogramme. Die Illyrer, auch Kelto-Illyrer benannt, haben uns wohl einige Namen wie Enns, Tauern, Tausing und Pyhrn hinterlassen. Von ihnen selbst und ihren Siedlungsformen und ihrer Kultur ist wenig bekannt. Sicherlich aber haben sie das Ennstal nicht sehr dicht besiedelt. Schon ein halbes Jahrhundert vor Christi Geburt wird unser Tal in das große Römerreich einbezogen.
Die Drachen-Sage
Diese berichtet, daß noch im 12. Jahrhundert eine römische Stadt auf dem Brunnfeld gestanden sein soll. Ein Erdbeben habe das Felsgestein an der Roten Wand zusammengeschüttelt, sodaß es ins Tal herabstürzte und dieses verschüttete. Der wahre Kern besteht darin, daß die dort noch bestehenden Anlagen der ehemaligen römischen Siedlung unter den Felstrümmern begraben wurden. Eine Stadt aber war es sicher nicht. Dazu ergänzt die Sage, wie sie uns mündlich überliefert wurde, daß in der Roten Wand ein Drachen hauste, der diesen Felssturz verursacht haben soll. Im Stadtwappen ist dieser Drache grün auf rotem Hintergrund dargestellt. Eine andere Auslegung berichtet, daß dieses furchtbare Ungetüm beim „Sennglöckl“ in der Roten Wand gelebt haben soll. Der Hahn des Hainzlebner-Bauern habe sich dorthin verirrt und sei vom Drachen gefressen worden. Dadurch bestärkt, sei dann dieses Untier ausgebrochen und habe damit den Felssturz verursacht. Die Sage weiß aber auch, daß jene „Stadt“ bis zum „Weißen Kreuz“ an der Ausseerstraße gereicht haben soll. Beim Grafenkreuz im Oberdorf und in der Nähe des Kornbauernhofes (heute Salzstraße 12) sollen Heidentempel oder vielleicht eine alte Kirche gestanden sein. Wahrscheinlich waren dies alte Heidentempel oder nur Bilder heidnischer Götter. So ist es zu erklären, daß dort Überbleibsel der Römerzeit noch länger bestanden. Es steht nicht genau fest, in welcher geschichtlichen Zeit sich dieser Felssturz ereignet hat. Sicherlich aber nach der Römerherrschaft (400 n. Chr.) und spätestens im 11. oder 12. Jahrhundert n. Chr.
Die bayrische Besiedlung
Nach den Kämpfen und Siegen Karls des Großen über die Awaren am Ende des 8. Jahrhunderts kam es allmählich zur endgültigen Besiedlung des Ennstales. Die Siedler – fast nur Bauern – kamen aus Bayern und Franken. Diese somit neubesiedelten Grenzgebiete des „Heiligen römischen Reiches deutscher Nation“ gehörten zur „Karantanischen Mark“. Der kirchliche Mittelpunkt war Salzburg – von wo schon 1-2 Jahrhunderte zuvor das Land zwischen Lech und Enns besiedelt worden war. Diese Besiedlung stellt den Beginn unserer heutigen bäuerlichen Kultur und somit unseres ganzen Lebensraumes dar. Die meisten unserer Orte und Siedlungen gehen, wenn wir ihren Namen auch viel später erstmalig hören, auf diese geschichtliche Epoche zurück. Viele Namen, wie jene mit den Endungen -ing, -wang, oder -weng, stammen aus dieser Siedlerzeit. Der Grund im Tal gehörte zuerst den Königen. Von diesen erhielt ihn der Erzbischof von Salzburg, der ihn dann an seine Dienstmannen und Freien als „Lehen“ weitergab. Dieser Ausdruck, sowie die Bezeichnung „Hube“ stammen aus dieser Zeit.
Luecen – Liezen wird erstmals genannt
Der Stiftungsbrief zu dieser Klostergründung stellt eigentlich nur ein Güterverzeichnis dar. Diese Urkunde gibt es leider nicht mehr. Dem unermüdlichen Forscher der Geschichte des Stiftes Admont, Peter Jakob Wichner, ist es zu verdanken, daß uns heute der Wortlaut dieser Urkunde noch bekannt ist, in welcher der Besitz des Klosters aufgezählt ist. Wir finden Ortsnamen wie Strechau, Lassing, Dietmannsdorf, Singsdorf, Haus, Aich, Hofmaning, Pruggern, Gössenberg, Weißenbach bei Liezen und viele andere. Eine Stelle dieses in Latein geschriebenen Textes lautet:

„Decimam at Luecen et mansum unum“ …
(- den Zehent zu Liezen und eine Hube …)


Natürlich wurde diese hier erstmals angeführte Schreibweise dann – wie bei allen Ortsnamen – noch öfters geändert. Wir können aber mit Sicherheit annehmen, daß diese Siedlung „Luecen“ weit älter ist, und vielleicht schon ab 600 n. Chr. Bestanden hat. Beweisen läßt es sich nicht. Luecen bedeutet „nasse Wiese“
Gott segnete die Laster
Ganz interessant ist es, zu hören, was ein höherer Beamter über die Ennstaler 1772 berichtet:

„Die Leute sind stark, wohlgewachsen und erwerbstüchtig; sie handeln mit Vieh und Getreide nach Kärnten und Salzburg, mit Leinwand nach Italien. Die meisten Männer und Weiber können lesen und sind beredt, sie lieben den Gesang über alles und den Tanz beginnen sie schon um 11 Uhr vormittags, Polizeigesetzte kennen sie fast keine, jeder tut, was ihm gefällt. Das Laster der Unlauterkeit ist allgemein, man kann bezweifeln, ob die sich ausbreitende Ketzerei mehr von den verderbten Sitten oder diese aus der Ketzerei entspringen. Dabei rühmen sich die Lutheraner, ihr Glaube müsse doch der rechte sein, sonst würde Gott sie nicht mit Reichtum segnen.“

Das sind keinesfalls nur Schmeicheleien über den Ennstaler, doch ging es ja nicht um einen Werbeprospekt für den Fremdenverkehr, sondern um die Tatsache, daß man sich nicht ganz sicher war, ob es da oder dort noch einen Geheimprotestantismus oder Menschen gab, die sich offen dazu bekannten. Erst das Toleranzpatent 1781 unter Kaiser Josef II. verhinderte jeden religiösen Zwang.
Pferde in Massen
Ein gewisser Dr. Franz Sartori schreibt in seinen Reiseerzählungen, die 1811 in Wien erschienen sind, über unseren Heimatort: Liezen ist eines der größten und schönsten Dörfer des Landes. Er nennt auch die von Liezen ausgehenden Straßen, besonders die Salzstraße und bezeichnet sie als „Hauptcommercialstraße“, d. h. wichtigste Handelsstraße. „Die Bewohner dieses Ortes“ –so führt er weiter aus – „leben meist von den Fuhrleuten, die hier durchziehen. Der Pferdehandel ist der wichtigste Handelszweig in Liezen.“
Nikolaus Dumba
Dumba-Villa in Liezen
Die ehemalige "Dumba-Villa" (coleriert) in Liezen an der Ausseer Straße.
1872 wurde die Freiwillige Feuerwehr Liezen gegründet. Erstmals hören wir von Nikolaus Dumba, damals Reichsratsabgeordneter. Er kam als Jagdherr nach Liezen und ließ die Jagdvilla, genannt „Dumbavilla“, erbauen, die bis 1960 dort stand, wo sich heute die Wohnhäuser Ausseerstraße 37, 39, 41, und 43 befinden. Nikolaus Dumba war ein großer Förderer vieler gemeinnütziger Einrichtungen, besonders der Feuerwehr. 1873 wurde ihm daher die Würde eines Ehrenbürgers von Liezen verliehen.
Stadterhebung
Der 2. Weltkrieg forderte einen hohen Blutzoll an Toten und Vermißten. Kurz vor und nach dem Zusammenbruch im Mai 1945 strömten zahlreiche Flüchtlinge durch den Ort. Bei Kriegsende wurde Liezen von amerikanischen Truppen besetzt. Die Enns galt als „Demarkationslinie“ und die Gebiete südlich davon besetzten die Streitkräfte der Sowjetunion. Dies änderte sich im Juli 1945, als die gesamte Steiermark und auch Kärnten Besatzungsgebiet der englischen Truppen wurde. Nach Überwindung der ärgsten Schwierigkeiten der Nachkriegsjahre setzte eine stürmische Aufwärtsentwicklung in Liezen ein. Mit Beschluß der Steiermärkischen Landesregierung vom 2. April 1947 wurde Liezen zur Stadt erhoben. Die Feierlichkeiten aus diesem Anlaß fanden im September 1947 statt, wobei als höchster Gast der damalige Bundespräsident Dr. Karl Renner anwesend war.
Letzte Pferdepostfahrt von Liezen nach Spital am Pyhrn
Bild: 20.8.1906: Letzte Pferdepostfahrt von Liezen nach Spital am Pyhrn
Bild: So sah die „5. Liezener Stadtausfahrt“ noch 1930 aus
(Döllacher Straße am „Ersten Friedhof“)
1043 Jahre Bergbau und Eisenhütte
Der Bergbau und die Gewinnung von Eisen waren bis in das 19. Jahrhundert von ganz besonderer Bedeutung für unseren Ort. Die Suche nach dem wichtigen Metall setzte frühzeitig ein. Schon 931 wird ein Schürfrecht am Gameringberg bei Wörschach erwähnt. Der Grundbesitzer war das Erzbistum Salzburg. Im 13. Jahrhundert wird erstmals der Eisenabbau am Salberg bei Liezen in einer Urkunde genannt. Sicherlich trägt schon seit dieser Zeit der Südhang des Salberges den Namen „Arzberg“. Der Grund gehörte dem Stift Admont. Das dort gewonnene Erz wurde dann in „Schweinehäuten“ in den sogenannten Arzkasten gezogen, der sich in der Nähe der alten Admonterstraße befand. Die heute noch bestehenden Wege, der obere und der untere Reiterweg sowie der Knappensteig wurden damals schon errichtet und benützt.
Die Amalienhütte
Amalienhütte bei Liezen
Bild: Amalienhütte bei Liezen
Das gewonnene Erz bezeichnete man als „Waldeisen“, um es von dem am Eisenerzer Erzberg gewonnenen hochwertigeren Bodenschatz zu unterscheiden. 1453 gewährte Kaiser Friedrich III., der dem steirischen Eisenwesen besondere Aufmerksamkeit schenkte, dem Pfleger auf Wolkenstein, Bernhard Praun und dem Rottenmanner Stadtrichter Leonhard Schwerzer das Recht „eysenercz an dem perg zu Lueczen in der herrschaft Wolkenstain“ zu schürfen, sowie ein Blähhaus zu errichten. Schon zwei Jahre später, am 14. Juni 1455 verkauft ein Georg Schmidt am Pyhrn ein Achtel seines Besitzes („hamer und werich gaden im Piern an der landstrassen bei den Lueczenbach“) ebenfalls an den Pfleger Praun. Vermutlich war das dort, wo der letzte Hochofen, auch „Schmölz“=Schmelzofen, die sogenannte „Amalienhütte“ stand.
auszugsweise aus

900 Jahre Liezen
1074 – 1974
Herausgeber: Stadtgemeinde Liezen
1974
 
Allgemeines
Titelbild 900 Jahre Liezen - Stadtgemeinde Liezen, 1974
Bild: Titelbild 900 Jahre Liezen - Stadtgemeinde Liezen, 1974
Römische Poststation "Stiriate", urkundlich 1074 als "Luecen"; seit 1947 Stadt;
Blickpunkte:
Pfarrkirche mit Verwendung spätgotischer Teile 1911/12 vergrößert,
Hochaltarbild von M. J. Schmidt (1777)
Barocke Kalvarienbergkirche
Rathaus (1907)
Hauptort des steirischen Ennstals unweit der Einmündung des Pyhrnbachs, an der Abzweigung der Straße über den Pyhrnpass. - Bezirkshauptmannschaft, Bezirksgericht, Bezirksforstinspektion; Baubezirksleitung, Arbeitsmarktservice, Finanz- und Vermessungsamt, Landwehrlager des Bundesheeres, Wirtschaftskammer, Arbeiterkammer, Bezirkskammer für Land- und Forstwirtschaft, Gebietskrankenkasse, mehrere Beratungszentren, Stadtbücherei, Handelsakademie, Bundesanstalt für Kindergartenpädagogik, seit 1981 zentrale Müllhygienisierungsanlage für den Bezirk, "Liezener Bezirksnachrichten", Einpendelzentrum mit 4898 Beschäftigten (1991), davon rund 62 % im Dienstleistungssektor (besonders im Handel: Großkaufhäuser, Holzmarkt, Baumarkt usw.), Maschinenindustrie, Gipsplattenwerk (in Weißenbach), etwas Fremdenverkehr.
www.liezen.at
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